Zugersee
Seegfrörni als Ausnahme und nicht als Regel
Langlaufschulen Gründer Mathias und Roland im Schnee. Foto: Roger Berger
Langlauf hat den Ruf, ein Sport für Zähe zu sein. Wer die Loipe betritt, denkt oft an schweisstreibende Anstrengung, wacklige Balance und den Kampf mit der Technik. Viele geben rasch auf oder schleppen sich mühsam über den Schnee. Doch wer im Obergoms, im Hochtal zwischen Oberwald und Niederwald, einen Kurs bei der Langlaufschule Mathias Hischier besucht, erlebt eine völlig andere Seite vom Klassisch- und/oder Skating-Langlauf. Hier wird nicht gekämpft, sondern gegleitet, entspannt, bewusst und mit einem neuen Körpergefühl. Das Motto der Schule, „Gleitä statt chrampfä“, bringt diesen Ansatz auf den Punkt und ist längst zu einer kleinen Bewegung im Gommer Winter geworden.
„Gleitä statt chrampfä“ ist kein cleverer Marketingspruch, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrung auf den Loipen. Die Gründer Mathias Hischier und Roland Staub haben beobachtet, dass viele Langläuferinnen und Langläufer den Sport mit zu viel Kraft und zu wenig Bewusstsein angehen. „Sie versuchen, den Schnee zu bezwingen, statt mit ihm zu arbeiten“, sagt Hischier. „Doch Langlauf funktioniert nur, wenn man loslässt, physisch wie mental.“
Gemeinsam mit seinem vielseitigen Team hat Hischier eine Lehrmethode entwickelt, die Technikvermittlung mit Körperwahrnehmung verbindet. Statt auf Tempo und Distanz zu drängen, steht das Erspüren der Bewegung im Mittelpunkt. Ein bewusster Abdruck, eine entspannte Fussstellung, der richtige Einsatz der Hüfte, das sind kleine, aber
entscheidende Elemente. Viele Teilnehmende sind überrascht, wie stark und wie rasch sich ihr Fahrgefühl verändert, wenn sie diese Grundlagen verinnerlichen.
Der Unterricht beginnt häufig in Oberwald, wo die Langlaufschule, das Langlauffachgeschäft und der Loipeneinstieg nur ein Schneeballwurf voneinander entfernt sind. Auf einem flachen Stück, das besonders einsteigerfreundlich ist, steht zunächst das Ankommen im Vordergrund. Die Lehrpersonen sprechen hier vom Erlernen der Chefin- oder Chefposition: einer aufrechten, stabilen Haltung mit leichter Vorspannung, die dem Körper Sicherheit und Balance gibt. Sie ist die Basis für alles, was folgt.
Wer zum ersten Mal in dieser Position steht, merkt schnell, wie viel Kontrolle und Leichtigkeit daraus entstehen kann. Es geht nicht um angestrengte Muskelarbeit, sondern um das feine Zusammenspiel von Spannung und Entspannung. Die Füsse bleiben flach, das Gewicht verteilt sich harmonisch, die Schultern sinken. Was banal klingt, verändert die ganze Bewegung: Der Körper wird beweglicher, das Gleiten müheloser, der Rhythmus natürlicher.
„In dem Moment, in dem man aufhört zu drücken und anfängt zu gleiten, passiert etwas“, erklärt Hischier. „Der Körper findet von selbst den richtigen Takt. Das ist der Moment, den wir Flow nennen.“
In der Langlaufschule Mathias Hischier fliessen Elemente aus Yoga, Tanz, Stand Up Paddling und Sportwissenschaft zusammen. Diese Mischung wirkt zunächst ungewöhnlich, erweist sich aber als höchst effektiv. Wer beispielsweise eine Yoga-Übung kennt, weiss, wie entscheidend Atmung und Körperzentrum sind. Genau diese Prinzipien werden auch auf die Loipe übertragen.
Ein typischer Kurs beginnt mit einfachen Übungen, meistens noch ohne Skis. Das Ziel ist, den Körper auf die Bewegung vorzubereiten, bevor der erste Gleitmoment entsteht. Die Lehrpersonen erklären anschaulich, wie zentral die flachen Füsse, die Gewichtsverlagerung, die Körperspannung und der Einbezug vom Hüftbeuger beim Klassisch und beim Skating sind.
Diese bewusste Auseinandersetzung mit der Bewegung verändert nicht nur die Technik, sondern auch das Körpergefühl. Viele Teilnehmende berichten, dass sie nach wenigen Lektionen ruhiger, konzentrierter und entspannter auf der Loipe unterwegs sind, fast so, als würde der Schnee sie tragen, nicht umgekehrt.
Typischerweise dauert eine Unterrichtseinheit 90 oder 120 Minuten. Das ist kein Zufall. Nach etwa einer Stunde beginnt der Körper, die neuen Bewegungsmuster zu
verinnerlichen. Genau dann entsteht jener Zustand, den Hischier und sein Team als Flow bezeichnen. „Das ist der Moment, in dem Kopf und Körper zusammenfinden“, sagt Hischier. „Alles läuft automatisch, man denkt nicht mehr nach, sondern spürt nur noch.“
Damit dieser Lernmoment nicht verloren geht, setzt die Schule auf individuelles Coaching. In kleinen Gruppen, meist mit höchstens vier Personen, nehmen sich die Lehrerinnen und Lehrer Zeit, einzelne Bewegungen zu analysieren. Auf Wunsch werden Videoaufnahmen gemacht, die im Anschluss gemeinsam ausgewertet werden. Das Sehen der eigenen Bewegungen hilft, unbewusste Muster zu erkennen und gezielt zu verändern.
Für Hischier ist das entscheidend: „Wir wollen als Coach agieren damit die Gäste Veränderungen selber initiieren, die neue Flow-Position abspeichern und nachhaltig davon profitieren.“
Ob Einsteiger, Fortgeschrittene oder Wiedereinsteiger, im Angebot der Schule findet jede und jeder das passende Format. Privatlektionen eignen sich für rasche Fortschritte, wenn Einzelpersonen oder zwei, drei Freunde gemeinsam mit ähnlichem Niveau trainieren wollen. Wer dagegen das Erlebnis in der Gruppe sucht, etwa bei einem Firmenausflug oder Vereinswochenende, kann Gruppenunterricht buchen. Besonders beliebt ist der Biathlon-Schnuppertag, der Techniktraining mit Spass und Teamgefühl verbindet.
Die Lektionen sind flexibel gestaltbar. Dauer, Intensität und Treffpunkt werden individuell abgestimmt. „Wir richten uns nach den Wünschen unserer Gäste“, betont Hischier. „Manche möchten in Ruhe üben, andere schätzen eine sportlichere Herausforderung. Beides ist möglich.“
Dass die Langlaufschule gerade im Obergoms beheimatet ist, ist kein Zufall. Das Hochtal im Oberwallis gilt als eine der schönsten Langlaufregionen der Schweiz. Auf rund 20 Kilometern zieht sich das Loipennetz durch verschneite Wälder, über offene Ebenen und vorbei an charmanten Dörfern wie Obergesteln, Ulrichen oder Münster. Mit nur 117 Metern Höhendifferenz zwischen Oberwald und Niederwald ist das Gelände ideal für gleichmässiges, fliessendes Gleiten, ganz im Sinne der Gommer Philosophie.
Hier wird Langlauf zum Naturerlebnis. Morgens liegt feiner Pulverschnee auf der Loipe, das Licht bricht sich an den Bergspitzen, und manchmal sieht man Rehe am Waldrand. In dieser Umgebung wird Bewegung zu Meditation. Kein Wunder, dass viele, die einmal im Goms Langlauf gelernt haben, jedes Jahr zurückkehren.
Wer den Unterricht bei Mathias Hischier besucht, verlässt die Loipe mit einem Lächeln. Das liegt nicht nur an den technischen Fortschritten, sondern auch an der veränderten Haltung zur Bewegung. Statt Anstrengung steht Freude im Vordergrund, unabhängig davon, ob mit gutem Klassisch- oder Skating-Material unterwegs. A propos Material, gut auf die Person abgestimmten Skis sind „das Tüpfchen auf dem i“.
Die Lehrpersonen sprechen oft vom „Moment des Loslassens“. Es ist jener Augenblick, in dem der Körper die richtige Haltung findet, die Skis ruhig gleiten und der Atem mit der Bewegung verschmilzt. Dann spürt man, was mit „Gleitä statt chrampfä“ wirklich gemeint ist.
Hischier fasst es so zusammen: „Langlauf ist wie Musik. Wenn du den Rhythmus findest, läuft alles von selbst.“
Die Langlaufschule Mathias Hischier in Oberwald zeigt, dass Langlauf kein Kampf gegen den Schnee sein muss, sondern ein Dialog mit ihm. Mit einer einzigartigen Kombination aus Technik, Bewusstsein und individueller Betreuung gelingt es, Langlauf Klassisch und/oder Skating zugänglich und erlebbar zu machen, für alle Altersgruppen, für Einsteiger und Ambitionierte gleichermassen.
Wer einmal das Gefühl erlebt hat, über die Loipe zu schweben, weiss: Es geht nicht um Muskelkraft, sondern um Vertrauen in die Bewegung. Genau darin liegt der Zauber des „Gleitens statt Chrampfens“, eine Einladung, den Winter neu zu entdecken.
Lade Fotos..