Zugersee
Seegfrörni als Ausnahme und nicht als Regel
Die Filmaufnahmen zum Kurzfilm «Wallfahrt» fanden am Auffahrtsdonnerstag Ende Mai 2025 statt. Das Kamerateam begleitete die Pilgergruppe von Zug nach Einsiedeln. Der Fussmarsch dauerte 7 Stunden, führte über 25 Kilometer und überwand 1000 Höhenmeter. Foto: Andreas Busslinger
Wallfahrt, Chnüüsockäbödali, Räbeliechtli? Die Begriffe stehen für gelebte Stadtzuger Traditionen. Einheimische geraten ins Schwärmen, sobald diese Stichworte fallen, Neuzuzüger runzeln die Stirn.
Ueli Kleeb und Caroline Lötscher von DNS-Transport haben mittlerweile zehn Bräuche, die in der Stadt Zug jährlich wiederkehrend gefeiert werden, dokumentiert. Und zwar als Kurzfilme von 60 Sekunden. In deutsch und englisch. Sie kommen auf diversen digitalen Plattformen zum Einsatz. Die Filme wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Zuger Kameramann Brian Gottschalk umgesetzt. Zu hören ist auch die bekannte Fernsehstimme von Irina Schönen. «Es ist eine ziemliche Herausforderung, einen Brauch in nur einer Minute zu erzählen», meint Ueli Kleeb, der das Projekt leitete und für die Inhalte und Bilder zuständig war. «Ein lineares Drehbuch hilft da nicht weiter, wir hielten uns beim Sammeln der bewegten Bilder an die inhaltliche Erzählung und mussten jeweils an Ort und Stelle sehr schnell reagieren. » Schlussendlich ist der Schnitt entscheidend, der die gefilmten Filmsequenzen schlüssig kombiniert. «Dabei zählt jedes einzelne Frame!», so Kleeb weiter.
Auf der Stadtzuger Website sind 25 Bräuche aufgeführt. Was genau ein Brauch ist und was nicht, darüber lässt sich trefflich streiten. Es gibt aber schon Kriterien, die den Begriff eingrenzen. Dabei spielen auch Bezeichnungen wie Fest, Tradition oder Sitte eine Rolle. Sieben Kurzfilme wurden bereits letztes Jahr realisiert, nun sind drei neue dazugekommen.
Aufwändig waren die Dreharbeiten zum Brauch der Zuger «Wallfahrt», die im nächsten Jahr ihr 600-Jahr- Jubiläum feiert. Von morgens um 5 Uhr bei der Pfarrkirche St. Michael in Zug bis am Abend um 17 Uhr am Empfang beim Abt im Kloster Einsiedeln wurde gefilmt. Daraus entstanden ist ein rasanter Clip mit stimmigen Bildern. Vielen unbekannt sein dürfte der Brauch des «Chnüüsockäbödali», obwohl den alteingesessenen Zugerinnen und Zugern die Frühsommer- Regel vertraut ist: Gebadet im Zugersee wird erst, wenn die letzten Schneeresten von der Rigifluh verschwunden sind. Und die Kniesocken ausgezogen wird erst, wenn die von Zug aus gut sichtbare Seebodenalp an der Rigiflanke, das sogenannte «Chnüüsockäbödeli» schneefrei ist. Beim «Räbeliechtli»- Umzug handelt es sich um einen neueren Brauch, der nicht jedes Jahr stattfindet. Die Kinder laufen mit ihren selbstgeschnitzten und leuchtenden Räben im November durchs Quartier und signalisieren damit, dass die Erntesaison abgeschlossen ist und der Winter naht.
RED
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