Zuger Sportpreis
Géraldine Frey sprintet allen davon
Digitale Medien sind ein fester Bestandteil im Alltag vieler Kinder. Die Fachstellen sind sich einig und raten zu bewusster Nutzung. Foto: Adobe Stock
Im Café, im Zug oder im Wartezimmer: Immer öfter sitzen Kleinkinder still da, den Blick auf ein Smartphone oder Tablet gerichtet. Für viele Eltern ist der Bildschirm ein schneller Helfer im hektischen Alltag.
Das Smartphone liegt griffbereit. Ein Klick, ein Wischen und das Kind ist ruhig. Kein Quengeln, kein Zappeln, kein Protest. Was für Eltern oft wie eine harmlose Alltagshilfe wirkt, ist längst Teil einer grösseren gesellschaftlichen Debatte: Ab wann sind digitale Medien für Kinder sinnvoll – und ab wann problematisch? Digitale Geräte gehören heute selbstverständlich zum Familienleben. Sie informieren, unterhalten und entlasten. Doch immer häufiger kommen sie bereits im Baby- und Kleinkindalter zum Einsatz. Nicht selten, um Übergänge zu überbrücken: die Zugfahrt, das Essen, das Warten. Der Bildschirm wird zum modernen Schnuller.
Besonders hohe Bildschirmzeiten und passives Konsumieren stehen in Zusammenhang mit schwächeren Sprachentwicklungsergebnissen.
Gerade in den ersten Lebensjahren entwickeln Kinder grundlegende Fähigkeiten: Sprache, Bewegung, soziale Interaktion und Frustrationstoleranz. Wie uns die Abteilung Gesellschaft des Kantonalen Sozialamts des Kantons Zug bestätigt. Weiter zeigen Forschungsergebnisse aus der Schweiz sowie internationalen Studien, dass eine häufige Nutzung digitaler Medien Einfluss auf die sprachliche, motorische, kognitive und sozio-emotionale Entwicklung haben kann. «Besonders hohe Bildschirmzeiten und passives Schauen stehen in Zusammenhang mit schwächeren Sprachentwicklungsergebnissen. Auch der Schlaf kann leiden: Wer abends oder kurz vor dem Zubettgehen viel Zeit vor dem Bildschirm verbringt, schläft oft schlechter ein und weniger erholsam», erklärt uns die Abteilung Gesellschaft des Kantonalen Sozialamts. Zudem gilt: «Jede Minute vor dem Bildschirm fehlt für anderes – für freies Spiel, Bewegung, Gespräche und gemeinsames Lernen. Studien des Marie Meierhofer Instituts und der Hochschule für Heilpädagogik deuten zudem darauf hin, dass Kinder mit höherer Bildschirmzeit häufiger negative Emotionen zeigen.» erklärt die Abteilung Gesellschaft des Kantonalen Sozialamts weiter. Hier hinzuzufügen ist noch, dass der Zusammenhang mit dem Stresserleben der Bezugspersonen also den Eltern, die sich stark belastet fühlen und digitalen Medien grundsätzlich positiv gegenüberstehen, ihren Kindern tendenziell mehr Bildschirmzeit erlauben.
Kaum jemand setzt sein Kind bewusst‚ vor den Bildschirm, damit es ruhig ist. Häufig geschieht es aus Erschöpfung, Zeitmangel oder Unsicherheit.
Die frühe Mediennutzung ist ein stetiges Thema. Denn bei der Abteilung Gesellschaft des Kantonalen Sozialamt vom Kanton Zug zeigt sich, dass Eltern zunehmend mit Fragen rund um Bildschirmzeit, Smartphone-Nutzung und digitale Gewohnheiten ihrer Kinder konfrontiert sind. Dabei geht es weniger um Verbote als um Orientierung. Viele Eltern wissen, dass zu viel Bildschirm problematisch sein kann – fühlen sich im Alltag aber allein gelassen zwischen Job, Betreuung, Haushalt und gesellschaftlichem Erwartungsdruck. Welche Hilfsmittel oder Strategien helfen, ist dabei sehr individuell und stark abhängig vom Familiensetting, den täglichen Anforderungen und den vorhandenen Entlastungsmöglichkeiten. Kaum jemand setzt sein Kind bewusst «vor den Bildschirm, damit es ruhig ist». Häufig geschieht es aus Erschöpfung, Zeitmangel oder Unsicherheit. Der kurze Moment der Ruhe wird zum Rettungsanker gerade dann, wenn andere Strategien fehlen. Fachstellen betonen deshalb: Schuldzuweisungen helfen nicht. Was Eltern brauchen, sind realistische Empfehlungen, verständliche Informationen und niedrigschwellige Unterstützung. Der Kanton Zug setzt beim Thema frühe Mediennutzung bewusst auf Prävention und Beratung. Die Fachstelle «punkto Eltern, Kinder & Jugendliche » bietet in den Gemeinden Beratungsangebote für Eltern von Kleinkindern an. Ergänzt wird dies durch Gruppenangebote für junge Eltern sowie fachlich betreute Eltern-Kind-Treffpunkte in Baar und Cham, wo Austausch und Vernetzung im Vordergrund stehen. Auch die Koordinationsstelle Elternbildung greift das Thema auf. So wird im März ein kostenloser Kurs zur altersgerechten Nutzung digitaler Medien im Vorschulalter angeboten. Zudem lanciert der Kanton Zug Mitte Februar die neue Hey-Zug- Kampagne «Begleite dein Kind. Auch digital», die Eltern und Bezugspersonen mit praktischen Tipps, Freizeitideen und Fachwissen unterstützt. Ziel ist es, Kinder aktiv und verantwortungsvoll durch die digitale Welt zu begleiten und mit gutem Beispiel voranzugehen.
Digitale Medien sind da und sie werden bleiben. Entscheidend ist nicht, ob Kinder mit ihnen in Berührung kommen, sondern wann, wie oft und in welchem Kontext.
Ein bewusster Umgang mit digitalen Medien beginnt im Kleinen. Entscheidend ist dabei vor allem das Verhalten der Erwachsenen. Kinder orientieren sich an ihren Bezugspersonen auch beim Medienkonsum. Empfohlen wird von der Abteilung Gesellschaft des Kantonalen Sozialamtsdes Kantons Zug eine kinds- und altersgerechte Nutzung: verständliche Sprache, keine schnellen Bildwechsel, begrenzte Bildschirmzeiten und keine Nutzung während anderer Aktivitäten wie Mahlzeiten oder Spaziergängen. Besonders wertvoll ist es, wenn Eltern digitale Inhalte gemeinsam mit ihrem Kind anschauen und danach darüber sprechen. Solche Gespräche stärken nicht nur die Eltern- Kind-Beziehung, sondern fördern auch die Sprachentwicklung.
Digitale Medien sind da und sie werden bleiben. Entscheidend ist nicht, ob Kinder mit ihnen in Berührung kommen, sondern wann, wie oft und in welchem Kontext. Gerade in den ersten Lebensjahren brauchen Kinder vor allem eines: Zeit, Aufmerksamkeit und echte Begegnung.
Der Bildschirm kann warten. Die Kindheit nicht.
Unter www.hey-zug.ch finden Eltern und Bezugspersonen ab dem 17. Februar 2026 zahlreiche Informationen zum Thema.
Michael Schwegler
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