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Viele Charaktere im neuen Kriminalroman von Stephan Dettling entstanden «wie von selbst».
Er ist Krimiautor und Ur-Baarer: Stephan Dettling. «Teufelskreis» heisst sein neustes Werk, ein Kriminalroman, der im Kanton Zug spielt. Wir sprachen mit ihm über seine Herausforderungen, seine Wünsche und Träume und über das, was er mag.
Sie haben mit Ihrem neuesten Kriminalroman den Schreib-wettbewerb von buchszene.de gewonnen. Welchen Stellenwert hat dieser Gewinn für Sie persönlich und für Ihre Schriftsteller-Laufbahn?
Der Preis war die Veröffentlichung meines Buches bei einem Verlag plus die Promotion durch die Buchszene in Deutschland. Ich bin stolz, dass ich als einziger Schweizer im Wettbewerb gewonnen habe. Zuerst wurden zehn Finalisten durch eine Jury ausgewählt und danach wurde der Gewinner durch ein Publikumsvoting gekürt. Durch den Gewinn konnte ich viele Kontakte knüpfen und meinen Namen in der Szene bekannt machen.
Ihr Ermittler im Buch, Fritz Hugo Kunz, ist ein eigenwilliger, etwas unmotivierter Ermittler im Kanton Zug. Woher kam die Idee zu diesem Charakter und dieser Umgebung?
Ich mag unkonventionelle Charaktere mit Ecken und Kanten. Die Idee zum Buch hatte ich aufgrund eines Wettbewerbs. Die Vorgabe bei diesem Wettbewerb war ein Mord in einem Hotel. Als ich mit dem Schreiben anfing, geriet ich in einen Flow und es entstanden viele Charaktere wie von selbst. Es passiert mir oft, wenn ich in meine Geschichte eintauche, dass meine Finger ein Eigenleben entwickeln. Etwas länger dauerte es, bis ich mich für den Titel Teufelskreis entschieden hatte.
Was war die grösste Herausforderung während des Schreibprozesses?
Ich habe Abschnitte bis zu fünfzig Mal gelesen und umgeschrieben und trotzdem habe ich im Endergebnis noch Stellen gefunden, welche ich rückblickend anders formulieren würde. Am Schluss kam ich in Zeitnot, denn ich musste einen Abgabetermin einhalten.
Kommen wir zu Ihrer Person. Wann haben Sie zum ersten Mal gespürt, dass Sie schreiben «müssen» – nicht nur wollen?
Meine erste Geschichte habe ich als Drittklässler verfasst. Sie hiess: «Der Mäusekönig». Das von mir von Hand geschriebene und mit einfachen Zeichnungen illustrierte Büchlein ist leider verschollen. Wenn wir in der Schule Aufsätze zu einem freien Thema schreiben durften, habe ich oft halbe Bücher abgegeben. Den Traum Schriftsteller zu werden, hatte ich schon in meiner Jugend. Aber damals hiess es, lerne einen anständigen Beruf.
Wie gehen Sie mit Schreibblockaden um – Disziplin, Abstand oder einfach aushalten?
Bisher hatte ich noch nie eine Schreibblockade. Im Gegenteil, ich habe so viele Geschichten in mir, dass ich diese aufschreiben muss, bevor mein Kopf platzt. Wenn ich mich an den PC setzte, begebe ich mich in die von mir geschaffene Welt und lasse meinen Gedanken freien Lauf. So entstehen oft Kapitel, die ich gar nicht geplant hatte.
Was bedeutet Erfolg für Sie als Autor – Anerkennung, Reichweite oder schlicht Zufriedenheit mit dem eigenen Werk?
Erfolg bedeutet für mich, dass ich den Leserinnen und Lesern mit meinen Geschichten Lesevergnügen bereiten kann. Ich finde es toll, dass meine Geschichten gefallen und die Leute begeistern. Was gibt es Schöneres, als sich in ein Buch zu vertiefen und das Kopfkino laufen zu lassen.
Wie stark fliessen Ihre eigenen Erfahrungen oder Überzeugungen in Ihre Geschichten ein – bewusst oder unbewusst?
Erlebnisse und Erfahrungen verwende ich nicht direkt. Ich erfinde alles neu oder schreibe es so, dass man keine Rückschlüsse ziehen kann. Ich will die Leserinnen und Leser nicht belehren oder indoktrinieren, deshalb versuche ich meine eigenen Überzeugungen nicht in die Geschichten einfliessen zu lassen.
Wie wichtig ist Ihnen die Sprache selbst – eher Mittel zum Zweck oder eigenständiges Kunstwerk?
Ich habe meinen eigenen Schreibstil. Seit ich schreibe, hat sich mein Sprachschatz enorm erweitert. Oft suche ich lange im Thesaurus, bis ich das richtige Wort gefunden habe. Der Text muss flüssig zu lesen sein. Das Buch soll Lesefreude bereiten.
Worüber würden Sie niemals schreiben, und warum nicht?
Ich schreibe nur über Sachen, welche ich kenne oder die mich interessieren. Beim ersten Wettbewerb, welcher mich auf die Idee mit dem Hotelmord brachte, wollte man eine Geschichte über eine quere Person. Ich bin mit diesem Thema zu wenig vertraut, um einen glaubhaften Text schreiben zu können. Die Lesenden merken sofort, ob man bei einem Thema sattelfest ist oder sich etwas aus den Fingern saugt.
Wenn Sie kein Autor wären, welchen Beruf würden Sie heute mit Leidenschaft ausüben?
Ich habe jahrelang in meiner Firma Programme entwickelt. Dies hat mir immer sehr gut gefallen. Auch als Buchhalter bin ich gerne tätig. Ich habe früher ein Fachbüchlein zum Thema Schweizer Lohnbuchhaltung geschrieben. Sogar die Steuererklärung fülle ich gerne aus. Es gibt in meiner Firma keine Arbeit, die ich nicht gerne mache.
Wie verbringen Sie einen perfekten freien Tag, ganz ohne Verpflichtungen?
Ich bin gerne am Meer und geniesse die Zeit am Strand. Ich liebe die raue Seeluft des Atlantiks. Für Kurzurlaube gehe ich auch gerne in die Berge wandern. Schlechtwettertage verbringe ich am liebsten mit einem guten Buch.
Gibt es ein Buch, einen Film oder ein Musikstück, das Sie in schweren Zeiten immer wieder aufrichtet?
Das Buch von Hape Kerkeling, »Ich bin dann mal weg», habe ich mehrmals gelesen. Es kommt der Tag, an dem ich meine Wanderschuhe schnüre, meinen Rucksack packe und loslaufe.
Was bedeutet Heimat für Sie – ein Ort, ein Gefühl oder bestimmte Menschen?
Baar und auch der Kanton Zug sind für mich Heimat. Ich bin hier aufgewachsen und habe hier mein soziales Umfeld. Der Kanton Zug ist eine sehr schöne Gegend. Der See und der Zugerberg sind Naherholungsgebiete, welche mir gefallen. Zudem sind die Zuger ein nettes Volk und Baar ein tolles Dorf. Ich bin oft zu Fuss unterwegs und treffe immer nette Leute.
Welche Eigenschaft schätzen Sie an anderen am meisten, und welche fällt Ihnen selbst am schwersten?
Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und Pünktlichkeit schätze ich sehr. Da ich immer hundert Sachen gleichzeitig mache, hapert es bei mir bei der Pünktlichkeit manchmal. Da ich mich aber immer charmant entschuldige oder anrufe und meine Verspätung ankündige, hatte mein Verhalten bisher keine Konsequenzen. In letzter Zeit war ich aber oft überpünktlich, was mir etwas zu denken gibt.
Uwe Guntern
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