Holzhäusern
Bohrkopf «Simone» startet inden Untergrund
Blick von oben. Aus der Präsentation des Erweiterungsprozesses von letztem Jahr.
Das Zuger Kunsthaus ist eine wichtige Institution im Kanton. Die öffentliche Hand entrichtet jedes Jahr hohe Summen für den Betrieb. Unklar bleibt, wie hoch sich die Einnahmen aus den Eintritten belaufen. Und: Wie beliebt ist das Haus eigentlich in der Bevölkerung?
Um 15 Prozent haben Stadt und Kanton Zug ihre Betriebsbeiträge für das Zuger Kunsthaus erhöht. Die Subventionen der öffentlichen Hand beliefen sich letztes Jahr auf 1,4 Millionen Franken. Auch die anderen Zuger Gemeinden unterstützen das Kunsthaus, das zuletzt in die Schlagzeilen geriet wegen des beurlaubten Direktors Matthias Haldemann. In manchen Städten stiften Kunsthäuser Identität. Zum Beispiel in Zürich. Seit Jahren dominiert das Kunsthaus den Diskurs in der Limmatstadt: Die Kontroverse rund um die Sammlung Emil Bührle, die weltweit einzigartigen Gemälde des Impressionismus oder die Nacktaufnahmen der Künstlerin Marina Abramovic.
Das Publikum rennt förmlich das Haus ein. 5,5 Millionen Franken erzielte man 2024 bei den Ticketeinnahmen. Eine Million mehr als im Jahr zuvor. Ein Erfolg, der ohne Mäzene und kleineren Spenden nicht möglich wäre. Aber auch nicht ohne Stadt und Kanton Zürich, die gemeinsam 13,8 Millionen Franken an Subventionen beisteuern. Vergleicht man die erhaltenen Subventionen mit den selber generierten Einnahmen aus Eintritten, kommt man auf 40 Prozent. Oder in anderen Worten: Für jeden Fünfliber der öffentlichen Hand resultiert ein Zweifränkler an Billetteinnahmen. Die Rechnung für Kunstmuseen ist eine komplexe. Mit Kunstinstitutionen verhält es sich ähnlich wie mit Schwimmbädern. Selbsttragend sind sie nur in den wenigsten Fällen. Ausserdem fällt der Tourismusfaktor aus der Rechnung. Viele Besucherinnen und Besucher kommen wegen Vorführungen oder Ausstellungen in die Stadt und kurbeln hier die Wirtschaft an, zum Beispiel mit einem Abendessen nach dem Besuch im Kunsthaus.
Trotzdem ist die Frage spannend, welchen «Nutzen» Zug von seinem Kunsthaus hat. Im Jahresbericht wird bei den Billetteinnahmen 68'401 Franken ausgewiesen. Der Bericht macht es der Analyse nicht einfach. «Diverse Erträge (inklusive Eintritte)», steht bei den 68'401 Franken. Wie viel hat man nur mit Eintritten erzielt? Diese Frage hat die «Zuger Woche» dem Kunsthaus mehrmals gestellt; und keine Antwort erhalten. Das erstaunt. Über sich selbst schreibt das Kunsthaus: «Die Kommunikation ist ethisch, professionell und partizipativ.» Es würde genügen, nur eine Antwort zu geben. Doch selbst wenn es sich bei den 68'401 Franken nur um Eintritte handeln würde, müsste sich das Kunsthaus eine zentrale Frage stellen: Welchen Stellenwert hat dasHaus in der breiten Bevölkerun? Werden Ausstellungen nur für den inneren Kreis kuratiert oder denkt man auch an die «normalen» Einwohnerinnen und Einwohnern? Den Verantwortlichen lässt sich schwer mangelndes Interesse oder fehlender Einsatz vorwerfen. Das Kunsthaus bietet Workshops für Lehrpersonen an, engagiert sich in der Vermittlung und bietet Führungen für Kinder an. Was fehlt sind spannende und altersgerechte Inhalte. In den Familienworkshops taucht man in ein «raumfüllende Videoprojektionen, skulpturale und malerische Installationen sowie Fotografien von neun zeitgenössischen Kunstschaffenden aus der Zentralschweiz.» Wen interessiert das? Zielgruppen sind Familien. Die Kosten betragen 15 Franken plus Tickets für die Erwachsenen.
Ein anderes Beispiel ist die Ausstellung «Dynamik der (Un-)Ordnung». Zwischen Ende August 2024 bis Neujahr zählte man 706 Besucher. Von Selbstkritik hört man wenig. Diese Ausstellung fand erstmals im Kunsthaus Zug Schaudepot statt. 706 Besucher, für die Verantwortlichen ein Erfolg, wie im Jahresbericht nachzulesen ist. Kleine Erfolge werden gross gefeiert im Kunsthaus. Die Website registrierte letztes Jahr über 40'000 Visits. Eine bescheidene Zahl, auch für den kleinen Kanton Zug. Hier aber werden 40'000 virtuelle Besuche gleich mit «grosser Beliebtheit» interpretiert. Die Website sei «ein Bestandteil der Transformation des Kunsthaus Zug in die Zukunft.»
Vergleicht man nun wie in Zürich die erhaltenen Subventionen mit den Ticketeinnahmen, kommt man auf weniger als 5 Prozent. Oder in
anderen Worten: Für jeden Fünfliber der öffentlichen Hand resultieren nur knapp 25 Rappen an Billetteinnahmen. Jetzt, wo in der Kunsthaus-Leitung anscheinend wieder Ruhe eingekehrt ist, wäre vielleicht eine gute Chance für einen Kurswechsel.
Beni Frenkel
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