Zugersee
Seegfrörni als Ausnahme und nicht als Regel
Ein Zuger Sechstklässler mit seinem Westschweizer Partner in der Austauschfabrik in
Fribourg.
Auch während der diesjährigen nationalen Austauschwoche vom 24. bis 28. November war der Kanton Zug besonders aktiv mit dabei. Dank des Engagements der Französischlehrpersonen gab es in allen Gemeinden Aktivitäten rund um den Austausch. 250 Zuger Kinder und Jugendliche trafen sogar ihre Austauschpartner-innen und -partner in Fribourg oder Bern.
Neun Zuger Primarklassen nahmen mit ihren Partnerklassen aus der Westschweiz am Begegnungstag in Fribourg teil, der von der Zuger Austauschverantwortlichen Sylvia Nadig und von Nancy Van Assche-Janssen angeboten wurde. In sprachgemischten Vierergruppen absolvierten sie ein Rallye rund um die Kathedrale. Besonders gefielen den Kindern die Aufträge, bei denen sie Passanten ansprechen oder in einer Bäckerei nach den Zutaten der Fribourger «Cuchaule» fragen mussten. Anschliessend ging's in die Ausstellung «Fabrique des échanges - Austauschfabrik» der Pädagogischen Hochschule Zug (PH Zug) in der Fribourger Unterstadt, in welcher abwechslungsreiche Aktivitäten die Tandems miteinander ins Gespräch brachten. Obwohl die Zugerinnen und Zuger der 6. Klasse erst seit 1¼ Jahren Französischunterricht hatten, gaben viele von ihnen in der Rückmeldung an, dass sie sehr erstaunt waren, wie gut sie schon mit ihrem Gegenüber kommunizieren konnten. Englisch wurde nur wenig genutzt, dafür umso mehr Hände und Füsse, und es war beeindruckend, wie die meisten Schülerinnen und Schüler versuchten, in der Sprache des anderen zu sprechen. Besonders lustig fanden die drei Klassen aus Risch Rotkreuz, gegenseitig herauszufinden, welche der drei Aussagen über die eigene Person gelogen war.
Auch auf der Oberstufe fanden Begegnungstage statt. So trafen sich 80 Oberstufenschülerinnen und -schüler aus Unter- und Oberägeri sowie Blonay VD in Bern, um sich besser kennenzulernen und die Tandems für den Rotationsaustausch im März zu bilden. Dann werden sie je vier Tage beieinander wohnen und gemeinsam zur Schule gehen. Dieses Austauschformat wird zum wiederholten Mal an fast allen Zuger Oberstufen angeboten und gibt den Jugendlichen eine einmalige Chance, einen Schritt ausserhalb ihrer Komfortzone zu wagen. Es geht dabei um viel mehr als nur um die französische Sprache. Eine solche mehrtätige Austauscherfahrung kann einen wesentlichen Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung eines Jugendlichen darstellen. Zu realisieren, dass man sich auch in einem fremden Sprachgebiet und einer anderssprachigen Familie auf sich selbst verlassen kann, ist von unschätzbarem Wert. Zudem kann sich die Teilnahme an einem solchen Austausch positiv auf die Lehrstellenbewerbung auswirken, da sie Offenheit, Risikobereitschaft und Selbstständigkeit signalisiert. Nur schade, dass immer weniger Familien bereit sind, jemanden für ein paar Tage bei sich zu beherbergen.
Auch «daheim» wurde die 3. nationale Austauschwoche gefeiert, so zum Beispiel mit einer «semaine francophone». Klassen boten in den Pausen Crêpes an, es lief französische Pausenmusik, und Plakate zeigten den Stellenwert des Französisch in der Welt. An der Oberstufe Walchwil bildeten die Vorführung des französischen Films «Juniors» und die anschliessende Diskussion mit dem zugeschalteten Regisseur Hugo Thomas den Höhepunkt der Woche. In der Primarschule Menzingen tauchten die Kinder mit einem Parcours quer durch das Schulhaus in die Welt von Asterix und Obelix ein. Eine Chamer Primarklasse erhielt während mehreren Tagen Besuch ihrer Partnerklasse. Und auch dieses Jahr begeisterte Tamara Gassner von dance4school gleich mehrere Primarklassen von Hünenberg, Steinhausen und Unterägeri mit ihren Tanzworkshops zum viersprachigen Austauschlied «Elodie» der PH Zug. Die (zukünftigen) Lehrpersonen ins Boot holen Die Zuger Ausstellung «Fabrique des échanges – Austauschfabrik» wurde in einer reduzierten und auf das Zielpublikum angepassten Form parallel an 10 Pädagogischen Hochschulen gezeigt und von den jeweiligen Dozierenden in ihre Module eingebaut. Am Beispiel von konkreten Austauschaktivitäten von 2 Baarer Primarklassen und ihren Partnerklassen aus Rolle (VD) sollen bereits die angehenden Lehrpersonen für Austausch ab der Primarstufe gewonnen werden und das nötige Rüstzeug dazu erhalten, insbesondere mit dem elektronischen Flyer der PH Zug «Comment fabriquer un échange damit es rund läuft». Diese Kurzanleitung wurde auch allen kantonalen Austauschverantwortlichen zuhanden der Lehrpersonen zur Verfügung gestellt.
Die rege Zuger Austauschkultur ist nur dank der grossen Anschubfinanzierung durch die Zuger Politik entstanden. Der Abschluss des vierjährigen Programms Zug+ «Förderung Sprachaustausch an den gemeindlichen Schulen» (2021 – 2025) wurde am 26. November in der Ausstellung an der PH Zug gefeiert. (Die Zuger Woche berichtete in ihrer Ausgabe vom 3. Dezember darüber.) Erfreulicherweise zeigten auch 7 Zuger Kantonsrätinnen und Kantonsräte ihr Interesse, nebst zahlreichen Schulleitungen, austauschverantwortlichen Netzwerkpersonen sowie der Waadtländer Austauchverantwortlichen Fabienne Mottet, welche alle neuen Partnerschulen für den Kanton Zug gefunden hat. Der Kanton Zug konnte sich in den letzten vier Jahren in Sachen Sprachaustausch schweizweit profilieren. Zu hoffen bleibt nun, dass die Gemeinden das Aufgebaute weitertragen und insbesondere die Netzwerkpersonen entsprechend weiterfinanzieren. Denn sie sind die Schlüsselpersonen, die mit viel Herzblut ihre Kolleginnen und Kollegen anstecken und unterstützen, damit immer mehr Zuger Schülerinnen und Schüler mit Westschweizer Gleichaltrigen kommunizieren und wertvolle Erfahrungen fürs Leben sammeln können. www.sprachaustausch.phzg.ch
Text: Sylvia Nadig
Lade Fotos..