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Feuerwehr Hünenberg mit Jahresrapport und Rückblick
Eltern begleiten Kinder im digitalen Alltag: Gemeinsam entdecken, reflektieren und lernen. Foto: AdobeStock
Australien verbietet Kindern und Jugendlichen bis16 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken. Auch in der Schweiz wird über darüber diskutiert. Doch ein Verbot löst das Problem nicht, es verschiebt es. Wer junge Menschen aus dem digitalen Raum drängt, darf sich nicht wundern, wenn sie sich in noch unkontrollierbarere Nischen zurückziehen.
In der Schweiz, aber auch im Kanton Zug, ist das Thema aktuell: Bereits in der Ausgabe der Zuger Woche vom 21. Januar 2026 wurde darüber berichtet, dass Smartphones nicht als Beruhigungsmittel für Kinder und Jugendliche eingesetzt werden sollten. Klar wird: Unser rechteckiger Begleiter mit schwarzem Spiegel wird auch in Zukunft eine zentrale Rolle im Leben der jungen Generation spielen.
Australien hat soziale Netzwerke für Minderjährige stark eingeschränkt und damit den digitalen öffentlichen Raum des 21. Jahrhunderts für Jugendliche zur Sperrzone erklärt. Andere Länder überlegen ähnliche Schritte. Doch ein Verbot löst das Problem nicht, es verschiebt es. Wer Jugendliche aus dem sichtbaren digitalen Raum verdrängt, riskiert, dass sie sich in kleinere, unregulierte Gaming-Foren oder Chatgruppen zurückziehen. Bereiche, die für Eltern und Schulen schwer nachzuvollziehen oder ausfindig zu machen sind. Dort fehlen oft Sicherheitsmechanismen und soziale Kontrolle, was die Risiken für Jugendliche erhöhen kann. Gleichzeitig verkennen viele, dass soziale Netzwerke für Jugendliche nicht nur Unterhaltungsplattformen sind. Sie bieten Austauschmöglichkeiten mit Gleichaltrigen, Informationen über die Welt und oft auch einen sicheren Raum, um Identität und Zugehörigkeit zu erleben – etwa für Jugendliche, die sich im analogen Alltag isoliert fühlen, etwa aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder spezifischer Interessen. Die Alternative zu Verboten ist anspruchsvoller, aber nachhaltiger: Bildung und Begleitung. Medienkompetenz muss früh vermittelt werden, idealerweise bereits in der Primarschule. Kinder und Jugendliche sind lernfähig; sie können den verantwortungsvollen Umgang mit Instagram, TikTok und Co. erlernen, wenn sie Anleitung, Reflexion und Raum für Erfahrung erhalten. Fehler gehören zur Entwicklung und dies betrifft die Online- wie die Offlinewelt. Ein Verbot vermittelt hingegen Misstrauen und verhindert, dass Jugendliche eigene Erfahrungen sammeln können. Zudem zeigt sich: Vertrauen in die jungen Menschen bedeutet, dass Eltern, Schulen und weitere Bezugspersonen bereit sein müssen, Kontrolle abzugeben, ohne sie aus den Augen zu verlieren. Denn Vertrauen bringt mit sich, dass man als Person eine bestimmte Menge an Kontrolle abgibt und sich nicht nach Belieben auf das Resultat einstellen kann. Das Ziel bleibt: Jugendliche befähigen, eigene Entscheidungen zu treffen und diese zu reflektieren. Hier darf ruhig auf das aufklärerische Gedankengut zurückgegriffen werden und der Mut gefordert werden, den eigenen Verstand zu benützen – dies betrifft jedoch beide Parteien.
Eltern spielen eine zentrale Rolle. Nicht als Überwacher, sondern als Begleiter und Gesprächspartner. Pauschale Verbote oder übermässige Kontrolle helfen nicht. Vielmehr sollten am Familientisch digitale Erfahrungen, Gefahren wie Hasskommentare oder das Versenden intimer Bilder offen diskutiert werden. Fachstellen im Kanton Zug betonen, dass Orientierung und Unterstützung wichtiger sind als Schuldzuweisungen. Angebote wie Elternbildungsprogramme oder Beratungsstellen stärken genau diese Begleitrolle. Kinder orientieren sich am Verhalten der Erwachsenen. Wer selbst ständig auf das Smartphone blickt, kann kaum glaubwürdig Bildschirmdisziplin einfordern. Vorbild zu sein bedeutet, das eigene Handeln zu reflektieren und das Handy auch mal beiseitezulegen. Denn wer etwas fordert soll mit gutem Beispiel vorangehen, denn an diesen Figuren orientiert man sich in der Gesellschaft.
Ein weiterer zentraler Aspekt, der oft übersehen wird, ist, dass der Umgang mit Smartphones und sozialen Netzwerken weit mehr erfordert als technisches Wissen oder Medienkompetenz: Er schult die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Schon im Alltag müssen Kinder und Jugendliche ständig abwägen: Welche Nachrichten oder Inhalte sind vertrauenswürdig? Wann ist es sinnvoll, auf eine Benachrichtigung zu reagieren, und wann besser nicht? Welche eigenen Grenzen setze ich beim Teilen von Inhalten oder beim Konsum von Medien? Diese Entscheidungen mögen banal erscheinen, sind aber Teil einer grundlegenden Fähigkeit, sich in komplexen digitalen wie analogen Räumen selbstbestimmt zu bewegen. In unserer zunehmend digitalisierten Welt werden vielen jungen Menschen Entscheidungen abgenommen. Dabei geht ein wertvoller Lernraum verloren: die Chance, die eigene Urteilsfähigkeit zu entwickeln und die Folgen eigener Entscheidungen zu erleben. Wer früh übt, Verantwortung für kleine und mittlere Entscheidungen zu übernehmen, gewinnt Selbstvertrauen, reflektiert das eigene Handeln und stärkt die Fähigkeit, auch unter Zeitdruck angemessen zu reagieren. Gerade der Umgang mit dem Smartphone kann hier zu einer Schule für das Leben werden. Entscheidungen, die zunächst banal wirken – wie das Annehmen einer Freundschaftsanfrage, das Teilen eines Beitrags oder das Beenden einer Diskussion online – sind kleine Trainings für das spätere Leben. Wer diese Kompetenzen gezielt fördern kann, statt sie durch strikte Vorgaben oder Verbote zu ersetzen, vermittelt den jungen Menschen nicht nur Sicherheit im digitalen Raum, sondern auch eine tragfähige Entscheidungsfähigkeit für alle Bereiche des Lebens.
Michael Schwegler
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