Zuger Sportpreis
Géraldine Frey sprintet allen davon
An Schulen, wie hier in Unterägeri, mangelt es nicht. Wird es in Zukunft auch genügend viele Schülerinnen und Schüler geben? Foto: RC
Neue Zahlen zeigen drittes Minusjahr in Folge. Zuger Gemeinden stehen vor gesellschaftlichem Rätsel und müssen umplanen. In der Stadt Zug will man diesen Winter Schulraumplanung aktualisieren.
Die Zahlen sind irritierend. Zwischen 2021 und 2023 sind in einigen Zuger Gemeinden die Geburten eingebrochen: Hünenberg (minus 22 Prozent), Risch (minus 24 Prozent), Oberägeri (minus 34 Prozent). Nur in Unterägeri und Menzingen nahmen die Geburten leicht zu. Im ganzen Kanton kamen im Vergleich zu 2021; 186 weniger Babys auf die Welt (minus 13,5 Prozent). Die Zahlen von 2024 sind noch nicht bekannt (erst gesamtschweizerisch). Der rätselhafte Trend setzt die Gesellschaft und die Schulen vor grosse Probleme. In der Vergangenheit standen die Gemeinden vor allem unter Druck, genügend Schulraum bereit zu stellen. Viele Kinder wurden in Provisorien unterrichtet. Kommt es nun zum grossflächigen Abbau dieser Behelfsbauten? So schnell geht es nicht. Die Schulraumplanung ist wie ein grosser Tanker, der auf Änderungen nur verzögert reagiert.
Weniger Kinder bedeuten aber nicht nur Folgewirkungen auf die Schulen, sondern auch auf Kitas, Spielgruppen und Kursveranstalterinnen. Im Kanton Zürich hat sich das bereits bemerkbar gemacht. Viele Kitas mussten ihren Betrieb aufgeben, da ihre Kundschaft ausfällt. In Zug ist man noch nicht so weit. Zumindest in der Stadt Zug will man nicht unvorbereitet darauf sein. «Es kann zurzeit noch nicht beurteilt werden, ob es sich dabei um einen Trend oder einen Ausreisser handelt », heisst es von der Stadt. Der allgemeine Geburtenrückgang in der Schweiz ab 2022 habe in der Stadt erst ein Jahr später eingesetzt. Gespannt darf man nun auf die Aktualisierung der Schulprognose warten. Sie erfolgt im Winter 2025/2026.
Zug steht damit nicht alleine. Wie das Bundesamt für Statistik Mitte Jahr vermeldet, steckt das ganze Land in einer Babykrise: «Im Jahr 2024 nahmen die Lebendgeburten im dritten Jahr in Folge ab.» 2024 wurden in der Schweiz 78’300 Geburten registriert. Das sind 1800 beziehungsweise 2,2 Prozent weniger als 2023. Gegenüber 2022 (minus 8,1 Prozent) und 2023 ( minus 2,8 Prozent) hat sich der Abwärtstrend immerhin verlangsamt. Die durchschnittliche Anzahl Kinder pro Frau geht jedoch seit 2021 kontinuierlich zurück und lag 2024 bei 1,29. Diese Zahl sei aber erst eine provisorische, schreibt das Bundesamt. Besonders stark gesunken sind im Jahr 2024 Drittgeburten (minus 3,6 Prozent), gefolgt von Zweitgeburten (minus 2,8 Prozent). Erstgeburten verringerten sich weniger deutlich (minus 1,5 Prozent). Die rückläufige Geburtenzahl bremst somit weniger die Familiengründung als die Familienvergrösserung. Geheiratet oder Zusammengezogen wird immer noch. Die Familiengrösse sinkt aber. Die gleichen Trends waren schon in den beiden Vorjahren zu beobachten.
Bei den Frauen unter 30 Jahren zeigt sich seit 2023 ein stärkerer Geburtenrückgang als bei den Frauen ab 30 Jahren (minus 4,4 Prozent gegenüber minus 1,5 Prozent). Die Zahl der Erstgeburten verringerte sich vor allem bei Müttern unter 30 Jahren (-452; -3,7 Prozent) und bei jenen ab 40 Jahren (-48; -2,1 Prozent). Das Durchschnittsalter der Mütter bei der Erstgeburt lag bei 31,3 Jahren. Hinter den Zahlen stehen immer private Gründe. Der Rückgang der Geburtenzahlen hat denn auch verschiedene Ursachen, die oft in gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Faktoren liegen. Dazu gehören Veränderungen im Lebensstil, wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Lebenshaltungskosten, die Schwierigkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren, sowie ein Wandel der Werte und Prioritäten. Vor allem im Kanton Zug mit seinen hohen Mietpreisen stehen junge Paare vor der finanziellen Unsicherheit, eine Familiengründung zu planen.
Zahl der Geburten im Kanton
2010: 1165
2011: 1200
2012: 1201
2013: 1258
2014: 1284
2015: 1295
2016: 1377
2017: 1257
2018: 1343
2019: 1329
2020: 1245
2021: 1371
2022: 1254
2023: 1185
Beni Frenkel
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