Zugersee
Seegfrörni als Ausnahme und nicht als Regel
Die fortschreitende Digitalisierung bringt zahlreiche Chancen mit sich. Sie führt
allerdings auch zu zunehmenden Cyberbedrohungen. Foto: AdobStock
Ob in der Verwaltung, in Schulen, in der Wirtschaft oder im privaten Alltag – digitale Lösungen sind heute unverzichtbar. Doch je stärker das Leben vernetzt ist, desto grösser wird auch die Angriffsfläche für Cyberkriminalität. Gerade kleinere Unternehmen und besonders gefährdete Personengruppen sind oftmals unzureichend geschützt.
Um dieser Entwicklung zu begegnen, will die Zuger Regierung handeln. Sie hat beschlossen, dem Kantonsrat eine Cybersicherheitsinitiative (CSI) vorzulegen. Ziel ist es, den Kanton als nationalen Leuchtturmstandort für digitale Sicherheit zu etablieren.
Zentrale Rolle in der neuen Strategie spielt das geplante Kantonale Kompetenzzentrum für Cybersicherheit (KKC). Dort sollen künftig Fachwissen, Beratung und Innovation zusammenfliessen. Der Regierungsrat verfolgt damit das Legislaturziel, die Sicherheit im virtuellen Raum gezielt zu stärken.Das KKC soll vier Hauptaufträge erfüllen:
• Die Bevölkerung – insbesondere besonders verletzliche Gruppen – über Gefahren aufklären.
• Zuger KMU bei der Stärkung ihrer Cyberresilienz unterstützen.
• Private und öffentliche Akteure miteinander vernetzen und deren Zusammenarbeit koordinieren.
• Forschung und Wirtschaft im Bereich der digitalen Sicherheit fördern.
Für Regierungsrätin und Sicherheitsdirektorin Laura Dittli ist dabei entscheidend, dass Cybersicherheit nicht auf ein rein technisches Problem reduziert wird. «Cybersicherheit ist für den Kanton Zug weit mehr als nur eine technische Frage. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für das Vertrauen in die Digitalisierung, für das Funktionieren unserer staatlichen Institutionen und für den Schutz der Bevölkerung.»
Die Regierung setzt auf ein nachhaltiges Modell, das stark auf Partnerschaften baut. Innerhalb und ausserhalb des Kantons sollen Synergien gezielt genutzt werden. Geplant ist eine enge Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS), dem Nationalen Testinstitut für Cybersicherheit (NTC), der ETH Zürich oder der Hochschule Luzern (HSLU). Mit der HSLU bestehen bereits erfolgreiche Projekte, beispielsweise «ITSec4KMU», eine Initiative zur Verbesserung der Cyberabwehr von kleinen und mittleren Unternehmen. Zusammen mit der Privatwirtschaft soll so eine schweizweit einmalige Brücke zwischen Forschung und Praxis entstehen. Finanzdirektor Heinz Tännler betont die wirtschaftliche Dimension: «Mit diesen Partnerschaften stärken wir den Kanton Zug als Wissens-- und Technologiestandort, fördern das Wirtschaftswachstum und schaffen hochwertige Arbeitsplätze.» Das Kompetenzzentrum soll nicht nur den Schutz der Bevölkerung verbessern, sondern auch Wachstumsimpulse für Forschung und Wirtschaft setzen. Der Regierungsrat will gezielt Innovationen fördern, um die Standortattraktivität Zug langfristig zu sichern. Die Investitionen zahlen sich doppelt aus: Einerseits steigt die Sicherheit und Resilienz gegenüber Cyberbedrohungen, andererseits erhöht sich die Wettbewerbsfähigkeit des Kantons als Wirtschaftsstandort. Für die Bevölkerung bedeutet dies zusätzlichen Schutz im Alltag, für Unternehmen eine stabile digitale Infrastruktur und für den Kanton insgesamt eine Stärkung seiner Rolle im nationalen und internationalen Kontext.
Bevor die Initiative Realität werden kann, muss sie noch den politischen Prozess durchlaufen. Der Kantonsrat entscheidet als nächstes über die Vorschläge der Regierung. Ziel ist es, bis Mitte 2026 die politische Willensbildung abzuschliessen. Danach soll die Umsetzung starten. Für den Zeitraum von fünf Jahren – von 2026 bis 2030 – plant der Regierungsrat jährlich rund 9 Millionen Franken in die Cybersicherheitsinitiative zu investieren. Damit sollen die geplanten Strukturen aufgebaut und dauerhaft betrieben werden. Mit der Cybersicherheitsinitiative nimmt der Kanton Zug eine Vorreiterrolle ein. Er will sich nicht nur gegen aktuelle Bedrohungen wappnen, sondern aktiv die digitale Zukunft gestalten. Die Verbindung von Bevölkerungsschutz, Unterstützung der Wirtschaft und Förderung von Forschung könnte Zug tatsächlich zu einem schweizweit führenden Standort für digitale Sicherheit machen.
Cybergefahren nehmen zu
Die Bedrohungslage im digitalen Raum verschärft sich seit Jahren. Weltweit entstehen Schäden in Milliardenhöhe: Unternehmen verlieren durch Angriffe nicht nur Geld, sondern auch sensible Daten, das Vertrauen ihrer Kunden und oft sogar ihre Existenzgrundlage. In der Schweiz registrierte das Nationale Zentrum für Cybersicherheit zuletzt mehrere zehntausend Meldungen pro Jahr – Tendenz steigend. Besonders verbreitet sind Ransomware-Angriffe, bei denen Kriminelle Daten verschlüsseln und erst gegen Lösegeld wieder freigeben. Auch Phishing-Mails, die täuschend echt aussehen und auf den Diebstahl von Passwörtern zielen, nehmen kontinuierlich zu. Ein weiteres Problem ist die zunehmende Professionalisierung der Täter. Cyberkriminalität ist längst ein global organisiertes Geschäft, das von einzelnen Hackern bis hin zu staatlich unterstützten Gruppen reicht. Betroffen sind nicht nur Banken und Konzerne: Auch Gemeinden, Schulen, KMU und Privatpersonen geraten ins Visier. Ein Beispiel dafür liefert die Zunahme sogenannter CEO-Frauds: Betrüger geben sich als Geschäftsleitung aus und bewegen Angestellte dazu, Geldüberweisungen vorzunehmen. Auch Attacken auf kritische Infrastrukturen haben international in den letzten Jahren zugenommen.
Uwe Guntern
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