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Wo heute vor allem Steinflächen dominieren, sollen schon bald Kinder spielen, Familien grillieren und Quartierbewohner unter schattigen Bäumen verweilen. Mit der Umgestaltung des Areals rund um die Kirche St.Johannes entsteht im Zuger Herti-Quartier schrittweise ein neuer Begegnungsort – gemeinsam geplant und gebaut mit der Bevölkerung.
Im Herbst 2026 beginnen bei der Kirche St. Johannes in Zug die ersten Arbeiten für die Neugestaltung des Kirchenareals. Entstehen sollen Spielmöglichkeiten, Aufenthaltsorte und Begegnungsräume für Menschen aller Generationen. Die Verantwortlichen verfolgen dabei eine klare Vision: Das Areal rund um die Kirche soll sich zu einem offenen und lebendigen Mittelpunkt des Herti-Quartiers entwickeln. Mit einer Murmelbahn, Hängematten, Grillstellen und neuen Sitzgelegenheiten soll der bisher eher funktionale Platz deutlich an Aufenthaltsqualität gewinnen. Besonders wichtig ist den Initianten dabei, dass die Bevölkerung nicht nur mitreden, sondern auch aktiv mitbauen kann.
Die Idee hinter dem Projekt reicht weit über eine klassische Platzgestaltung hinaus. Die Kirche St. Johannes soll künftig stärker als öffentlicher Ort wahrgenommen werden – als Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Leben im Quartier. Bereits im Dezember 2025 hatte die Kirchgemeindeversammlung einen Kredit von 200’000 Franken für die erste Etappe der Umgestaltung bewilligt. Grundlage dafür war eine Machbarkeitsstudie, auf die eine breit angelegte Mitwirkung der Bevölkerung folgte. Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers, Vereine, Familien und Jugendliche konnten ihre Wünsche und Ideen einbringen. Kirchenratspräsident Patrice Riedo beschreibt die Vision mit einem Bild aus dem Süden Europas: Was dort die Piazza vor der Kirche sei, solle künftig auch rund um St. Johannes entstehen – ein Ort, an dem Menschen selbstverständlich zusammenkommen, verweilen und sich begegnen. Dabei soll das Areal bewusst unterschiedliche Bedürfnisse aufnehmen. Neben Spiel- und Begegnungszonen seien auch Orte der Ruhe und Besinnung vorgesehen, erklärt Stefan Hegglin, der das Projekt im Bereich Bauten und Immobilien begleitet.
Der Auftakt der Umgestaltung erfolgt auf der Nordseite der Kirche und auf dem Kirchplatz. Besonders ins Auge fällt dabei eine geplante Kugel- beziehungsweise Murmelbahn. Sie soll vor allem Familien mit kleineren Kindern ansprechen und den Platz zu einem attraktiven Aufenthaltsort machen. Ergänzt wird die Anlage durch Hängematten und eine Grillstelle. Die Ideen dafür stammen unter anderem von der Pfadi, die seit vielen Jahren auf dem Gelände von St. Johannes aktiv ist und eng in die Planung eingebunden wurde. Auch der bestehende grosse Baum auf dem Platz erhält eine neue Bedeutung. Bislang steht er inmitten eines Steinbetts. Dieses soll entfernt werden, damit unter dem Baum schattige Sitzgelegenheiten entstehen können. Gerade an warmen Sommertagen soll daraus ein angenehmer Treffpunkt mitten im Quartier werden. Der Landschaftsarchitekt Bernhard Lenfers Grünenfelder spricht von einem niederschwellig zugänglichen öffentlichen Raum, der sich natürlich in die Umgebung einfüge. Die neuen Wege würden verschiedene bestehende Orte miteinander verbinden: die Murmelbahn, den Spielplatz des Kindergartens St. Johannes, die grosse Spielwiese hinter der Pfarrwohnung und den eigentlichen Kirchplatz. Dadurch entsteht nicht einfach ein einzelner Spielbereich, sondern ein zusammenhängender Freiraum für das ganze Quartier.
Ein zentrales Element des Projekts ist die aktive Beteiligung der Bevölkerung. Die Verantwortlichen wollen das Quartier nicht bloss über die Pläne informieren, sondern bewusst in die Umsetzung einbeziehen. Während der Herbstferien 2026 sollen Kinder und Jugendliche selbst mitgestalten und mitanpacken können. Dafür arbeitet die Kirchgemeinde mit der spezialisierten Firma KuKuK Spielraumgestaltung zusammen, die sich auf partizipative Spielplatzprojekte spezialisiert hat. Geplant sind offene Baustellen und Familiennachmittage, bei denen gemeinsam gebaut wird. Auch Jugendliche sowie die Pfadi sollen aktiv an einzelnen Bauetappen mitarbeiten. Die Beteiligung passt zur bisherigen Entwicklung des Projekts. Schon die Planung erfolgte in engem Austausch mit der Bevölkerung.
Besonders wichtig ist den Verantwortlichen die niederschwellige Zugänglichkeit des neuen Freiraums. Das Areal liegt mitten im Wohnquartier – direkt neben dem Kindergarten St. Johannes sowie in unmittelbarer Nähe zum Schulhaus Herti und zum Jugendtreff. Dadurch entsteht ein Ort, den Kinder und Jugendliche selbstständig erreichen können. Gerade in dicht besiedelten Quartieren seien solche frei zugänglichen Räume wichtig, betonen die Initianten. Anders als viele klassische Spielplätze soll das neue Areal nicht nur für Kleinkinder gedacht sein. Vielmehr soll ein generationenübergreifender Treffpunkt entstehen, an dem sich Familien, Jugendliche, ältere Menschen und Quartierbewohner begegnen können. Die Verbindung von Spiel, Aufenthalt und Begegnung steht dabei im Zentrum. Während Kinder die Murmelbahn entdecken oder auf der Wiese spielen, können Erwachsene unter dem grossen Baum sitzen, grillieren oder einfach miteinander ins Gespräch kommen.
Mit dem Baustart im Herbst 2026 beginnt allerdings erst die erste Phase der Umgestaltung. In einer zweiten Etappe soll später auch der südliche Teil des Kirchenareals neugestaltet werden. Die konkrete Planung dafür ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Klar ist jedoch bereits, dass auch dieser Abschnitt spätestens bis 2028 realisiert werden soll. Die Verantwortlichen verstehen das Gesamtprojekt als langfristige Investition in das Quartierleben. Gerade im stark wachsenden Herti-Quartier brauche es Orte, an denen Gemeinschaft entstehen könne. Die Kirche St. Johannes will dabei bewusst eine offene Rolle übernehmen – nicht nur als religiöser Ort, sondern als sozialer Mittelpunkt für das Quartier. Mit der neuen Gestaltung soll ein Raum entstehen, der Menschen zusammenbringt und den Alltag im Quartier belebt.
Uwe Guntern
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