Interview
Blick auf das Thermal-Mapping der Stadt Zug
Karl Bürgler. Foto: zvg
Der Wohnraumbedarf im Kanton Zug ist hoch, in den Segmenten des preisgünstigen und bezahlbaren Wohnraums besonders. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten zur Einzonung von neuem Bauland stark begrenzt. Vor diesem Hintergrund sind Instrumente gefragt, welche die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum in den bestehenden Bauzonen ermöglichen. Die FDP hat im Kantonsrat zwei Postulate eingereicht und den Regierungsrat eingeladen, Varianten und Leitplanken vorzulegen, wie dieser Problemstellung begegnet werden kann. Ein Ansatz ist, Bauprojekte zu belohnen, die preisgünstige Wohnungen integrieren. Wer in der Regelbauweise baut und im selben Projekt preisgünstige Wohnungen schafft, erhält dafür eine zusätzliche Ausnützung. So entsteht mehr Wohnraum, ohne neues Bauland zu beanspruchen. Quartiere werden belebt und die soziale Durchmischung wird begünstigt. Vorgesehen ist ein klar definierter, verbindlich geregelter Bonus, der ausschliesslich an die Erstellung von preisgünstigem Wohnraum geknüpft ist und einen überprüfbaren Mehrwert für unser Gemeinwesen schafft. Ein zweiter Ansatz sind zweckgebundene Wohnungen in Arbeitszonen, wo sie dem lokalen Gewerbe helfen, Mitarbeitende zu finden und zu halten. Gemeint sind betriebsnahe Wohnungen, die ausdrücklich den Mitarbeitenden vorbehalten sind, also keine freie Wohnnutzung. Dies entlastet den Wohnungsmarkt, verkürzt Wege, mindert Nutzungskonflikte und stärkt das lokale Gewerbe, ohne Arbeitszonen in Wohnzonen umzuwandeln. Beide Ansätze nutzen den Raum intelligenter, respektieren die Verantwortung der Gemeinden, fördern die haushälterische Bodennutzung und sind in der Praxis gut umsetzbar. Sie setzen bewusst im Bestehenden an, bleiben innerhalb der Regelbauweise und erschliessen so Ausnutzungspotenziale, ohne zusätzliche Bauzonen zu beanspruchen. Ziel ist es, zusätzlichen Wohnraum zu ermöglichen, Wege zu verkürzen und Konflikte zu reduzieren, dies mit Augenmass und Schritt für Schritt. Die FDP politisiert nicht ideologisch, sondern lösungsorientiert: klare Leitplanken, schlanke Verfahren, verlässliche Umsetzung – dies mit Respekt vor Eigenverantwortung und persönlicher Freiheit. Genau so entsteht zusätzlicher Wohnraum, denn jede Wohnung zählt.
Karl Bürgler
FDP-Kantonsrat, Baar
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