Interview
Blick auf das Thermal-Mapping der Stadt Zug
Anna Bieri. Foto: zvg
«Paolo, du sötsch jetzt is Bett.» Die Antwort meines vierjährigen Sohnes kam ohne Zögern: «Mami, meinsch du das ironisch?»
Ich musste lachen. Nicht nur, weil ein Vierjähriger das Wort «ironisch» überhaupt verwendet, sondern auch, weil seine Frage zum Nachdenken anregt. Offenbar erlebt selbst ein Kind, dass Aussagen heute nicht immer genau das bedeuten, was sie auf den ersten Blick zu sagen scheinen.
Vielleicht ist das ein Spiegel unserer Zeit und wohl auch der Politik. Vieles wird zugespitzt, vieles bewusst provokativ formuliert. Gerade in der Politik wäre es manchmal wünschenswert, wenn weniger zwischen den Zeilen gesucht werden müsste. Dabei wünschen sich die meisten Menschen etwas ganz anderes: Klarheit, Ehrlichkeit und Lösungen, die im Alltag tragen. Keine Schlagzeilen, keine Inszenierungen und keine endlosen Grabenkämpfe.
Im Herbst stehen Wahlen an. Dabei geht es nicht einfach darum, wer gewinnt oder verliert. Es geht um die Frage, wie wir unseren Kanton gemeinsam weiterentwickeln wollen. Die besten Lösungen entstehen nicht dort, wo sich Lager unversöhnlich gegenüberstehen, sondern dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und diese offen und ehrlich diskutieren.
Für mich stehen dabei drei Werte im Mittelpunkt: Freiheit, Solidarität und Verantwortung.
Freiheit bedeutet, den Menschen etwas zuzutrauen und ihnen Gestaltungsspielraum zu geben. Solidarität heisst, füreinander einzustehen und den Zusammenhalt zu stärken. Verantwortung bedeutet, Entscheidungen mit Weitsicht zu treffen – für heute und für die kommenden Generationen.
Diese Werte widersprechen sich nicht. Im Gegenteil: Sie ergänzen sich. Freiheit ohne Verantwortung wird beliebig. Solidarität ohne Freiheit wird bevormundend. Verantwortung ohne Solidarität verliert den Blick für den Menschen.
Der Sommer lädt dazu ein, kurz innezuhalten, Kraft zu tanken und den Blick auf das Wesentliche zu richten. Ich wünsche Ihnen dafür viele schöne Momente mit Familie und Freunden.
Und wenn im Herbst die politische Diskussion wieder Fahrt aufnimmt, wünsche ich mir vor allem eines: weniger Ironie, mehr Klarheit. Weniger Provokation, mehr Sachlichkeit. Weniger Gegeneinander, mehr Miteinander. Denn am Ende sind wir nur eines wirklich: gemeinsam erfolgreich.
Anna Bieri, Kantonsrätin,
Die Mitte Hünenberg
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