Interview
Blick auf das Thermal-Mapping der Stadt Zug
Heinz Achermann
Neulich bin ich über die Reussbrücke bei Mühlau geradelt. Bei der Querung am Mittag von Hünenberg nach Mühlau ist mir dabei noch nichts aufgefallen. Bei der Rückkehr hingegen schon. Bekanntlich ist die Brücke so schmal, dass zwei Autos nicht kreuzen können. Daher braucht es Regeln. Und genau diese Verkehrsregelung fiel mir bei der Rückkehr auf: Wer von Mühlau nach Hünenberg fährt, hat keinen Vortritt. Wer von Hünenberg nach Mühlau fährt hingegen schon. Wieso das? Soll die Zuwanderung von Aargauerinnen und Aargauer etwa erschwert werden oder ist Zug froh um jede Person, die den Kanton in Richtung Aargau verlässt? Zugegeben, eine etwas originelle Folgerung und dennoch hat die Beschilderung bei mir ein paar Gedanken ausgelöst. Diese – durchaus nötige – Regelung ist vermutlich nicht zur Mengenregulierung gedacht. Was wäre nun, wenn an jedem Brückenende abgezählt würde, wie viele Fahrzeuge und Fussgänger von Mühlau über die Brücke nach Hünenberg – also ohne Vortritt - reisen? Bei 9 Autos und einer Velofahrerin pro Halbtag würde sich nichts ändern. Sobald aber Auto Nummer 10 die Brücke passieren würde, wäre Schluss. Fahrverbot ab sofort. Das elfte Fahrzeug müsste «drüben» bleiben. Egal, um welches Auto es sich handeln würde. Selbst wenn es der Lieferwagen mit den langersehnten Rüebli für den Gemüsegratin wäre, auf die in Zug alle Einwohnerinnen und Einwohner warten. Kein Pardon. Fahrverbot. Sie haben es gemerkt: Die Parallele zur anstehenden Abstimmung ist offensichtlich. Die Brücke Mühlau ist ein bisschen Realsatire, die Abstimmung jedoch ganz und gar nicht. Die Initiative ist brandgefährlich, weil der Schluss der Übung die Abriegelung unseres Landes bedeutet. Wir wissen es: die Schweiz wird älter. Die Boomer gehen in Pension und werden am Arbeitsplatz fehlen. Eigener Nachwuchs vermag die Lücke nicht zu schliessen. Eine gewisse Zuwanderung ist wohl nötig. Zusätzlich sollten unsere Unternehmen vermehrt und bewusst auf einheimische Fachkräfte setzen und ihnen eine Chance geben – und dies auch für leitende Funktionen! Wir haben viele clevere, anpackende und motivierte junge Leute in unserem Land. Sie haben etwas Vortritt verdient. Ich werde die Initiative zur 10 Millionen-Schweiz überzeugt ablehnen. Eine Vortrittsregelung wäre okay, ein Fahrverbot will ich auf keinen Fall.
Heinz Achermann, Kantonsrat Die Mitte, Hünenberg
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